... liebe Louise Williams.


Ha! Dieses Mal bin ich schlauer und habe zur Feier des Tages einen Kuchen gebacken: Donauwelle. Mein Hund liegt beleidigt in seinem Körbchen. Mir aber egal, gibt keine Kekse mehr. Und damit das gleich klar ist, Whisky gibt es auch nicht. Louise nickt und ich bin erleichtert. Ja, von dem Kater hatte ich noch zwei Tage etwas. Wie es wohl Stephanie ergangen ist? Ganz ehrlich? Ich bin gespannt, wann der Film auf YouTube landet.

Bevor es aber losgeht mit unserem Interview, möchte sie was? Laufen? Ist nicht ihr ernst. Doch, Louise hat sich extra Sportschuhe angezogen. Stolz zeigt sie mir die und ich … nun ja, bekomme ganz plötzlich ein schmerzhaftes Ziehen im rechten Fuß. Dagegen kann ich überhaupt nichts tun – ist chronisch.

Nee, nee, da steige ich lieber aus. Es reicht, wenn ich regelmäßig hinter dem Hund herjagen muss, wenn er Hase, Reh oder Katze zum Duell herausfordert. Ich habe einen kaputten Fuß – die Ausrede zieht immer. Denkste, aber nicht bei Louise. Sie ist hartnäckig und scheucht mich auch gleich in den Garten zum Aufwärmen. Na gut, ich erfülle die Wünsche meiner Gäste. Lasst euch gesagt sein, man darf Louise nicht widersprechen. Sie wirft mit Kokosnüssen – habe ich mir sagen lassen …

 

Louise ist eine waschechte Thrillerlady und ich freue mich, dass sie mein nächster Gast ist. Dann lass uns mal plaudern, wir sind neugierig, was Du uns so erzählst.

 

Dein aktuelles Buch:

 

Mein aktuelles bookshouse Buch ist Kristall – Spiel im Schatten

Genre/Zielgruppe:

 

Kristall: Thriller für Frauen (aber ich weiß aus sicherer Quelle, dass auch Männer begeistert sind)

Eine kurze Inhaltsangabe:

 

Das Leben von Caitlyn Brown ist genauso gewöhnlich wie ihr Nachname. Sie hält es für Zufall, als ein Fremder in ihren Armen stirbt und sie auf einem Ausflug in einem  Fish&Chips Laden ein an sie adressiertes Päckchen ohne Absender zugestellt bekommt. Erst, als sie eine Stelle in einem Internat auf der walisischen Insel Anglesey antritt, erkennt sie, dass nicht nur ihr Pate, der Duke of Anglesey, ein Geheimnis hat, sondern auch der Schulleiter Lord Scratby nicht das ist, was er vorgibt zu sein. Einige Leichen später steckt sie in großen Schwierigkeiten, denn eigentlich ist sie die Hauptfigur in diesem mörderischen Spiel ...

 

Woher holst Du Deine Ideen? Inspiriert Dich etwas ganz besonders?

 

Das ist ganz unterschiedlich. Entweder ist es eine Szene, die mir nicht aus dem Kopf geht oder ein Charakter z.B. aus einem Film, einem Buch oder auch mal auch dem echten Leben. Letztere werden aber nur in Anlehnung an spezielle Eigenschaften oder vom Aussehen her verarbeitet und niemals als echte Person.

 

Haben persönliche Erlebnisse Einfluss auf Deine Romane?

 

Ja, immer wieder. So saß ich zum Beispiel bei einem Kurzurlaub irgendwo weit entfernt von daheim vor einem Café, als ein UPS Wagen anhielt. Der Mann stieg mit einem Päckchen in der Hand aus, lächelte mich an, kam auf mich zu und … nein, er ging natürlich an mir vorbei, aber ich dachte, wie skurril es wäre, wenn er mir ein korrekt an mich adressiertes Päckchen geben und um eine Unterschrift bitten würde. Ist jetzt nicht wirklich verwunderlich, dass so eine Szene in Kristall auftaucht, oder?

 

In meinem neuen Krimi „Dreikampf“, schicke ich meine Kommissarin als Staffelläuferin beim Challenge Triathlon in Roth auf die Marathonstrecke. Da ich selbst aktive Ausdauersportlerin gewesen bin, konnte ich viel eigene Erfahrung einbauen. Außerdem ist der ganze Krimi wie ein Triathlon aufgebaut – quasi wie ein Drama in drei Akten. (Falls jemand plant, ihn zu lesen, empfehle ich vorher zumindest die Lektüre von „Judasbrut“ (Amazonlink http://www.amazon.de/Judasbrut-Sabine-Fink/dp/3839213835), um einige Protagonisten kennenzulernen ;-) Es erhöht definitiv den Lesespaß!)

 

Manchmal sind es aber auch Erzählungen und Erfahrungsberichte anderer, die mich besonders berührt haben. So stimmen zum Beispiel die in Kristall erzählten Umstände, unter denen die kleine Elisabeth gestorben ist, nachdem sie von der Schaukel fiel. Ich habe sogar ein Foto von ihr. Besonders mitgenommen haben mich schon in meiner Jugend die Erzählungen der Kriegsgeneration – in meiner Familie unbeschönigt und emotional und frei von politischer Färbung. Es waren menschliche Schicksale und Tragödien und ich bin sehr dankbar dafür, diese Einblicke aus erster Hand erhalten zu haben.

 

Was war Dein größtes Projekt?

 

Eine sehr epische Geschichte  von insgesamt mehr als 1 Million Worten. Nicht zur Veröffentlichung in Buchform bestimmt, sondern mein Gesellenstück, an dem ich viel gelernt habe.

 

Gibt es eine literarische Grenze, worüber Du niemals schreiben würdest?

 

Gewalt an Kindern kann und will ich mir nicht detailliert ausdenken. Überhaupt ist für mich das Thema Gewalt recht zwiespältig, daher bin ich da sehr zurückhaltend in der Beschreibung.

 

Hast du ein Lieblingsbuch von Dir selbst? Wenn ja, welches?

 

Mein bisheriger Favorit ist „Dreikampf“, der im Juli erscheinen wird. Zum einen, weil mir mein „Personal“ inzwischen sehr ans Herz gewachsen ist. Zum anderen, weil Schreiben für mich einfach wie ein Triathlon ist. Planung, Schreiben, Überarbeiten. Anfangs macht es Spaß, dann wird es anstrengend, manchmal ist es so schrecklich, dass man heulen muss und am liebsten aufgeben will. Irgendwie rafft man sich trotzdem auf, um weiterzumachen. Plötzlich läuft man ins Ziel und kann gar nicht fassen, dass man es tatsächlich geschafft hat. Ein unglaubliches, erhebendes Gefühl – und das habe ich zwischen zwei Buchdeckel gebracht.

 

Was machst Du gegen Schreibblockaden?

 

Warten bis sie vorbei sind … nein, im Ernst, eigentlich hilft mir wirklich nur warten, damit mich meine Muse wiederfindet. Leider ist das schwierig, wenn eine Deadline dräut und der Alltag beschlossen hat im Chaos zu versinken. Ich habe versucht, nicht mehr auf die Stimme zu hören, die in diesem Fall aus dem Chaos spricht, denn noch schlimmer brauche ich es echt nicht. Bei riesigen Schreibblockaden schlage ich mir selbst und nicht dem Arzt oder Apotheker auf den Hinterkopf, um wenigstens das Durcheinander im Hirn etwas zu sortieren. Manchmal nützt es. Manchmal nicht. Und dann warte ich eben.

 

Schreibst Du noch in einem anderen Genre, außer Thriller?  Wenn ja, welches?

 

Sie oben. Regiokrimis beim Gmeiner-Verlag

 

Könntest Du Dir vorstellen, etwas anderes zu machen - außer Bücher zu schreiben? Wenn ja, was?

 

Natürlich, denn vom Schreiben zu leben ist ja kaum möglich.
Ich liebe es zu recherchieren, mir über Unbekanntes einen raschen Überblick zu verschaffen, punktuell in die Tiefe einzutauchen, Experten gezielt zu befragen und das Ganze für andere verständlich aufzubereiten. Durch einen ebenso merkwürdigen wie wunderbaren Zufall werde ich das zukünftig als Quereinsteiger in einem Museum tun dürfen und pädagogische Konzepte für Jung und Alt ausarbeiten und Veranstaltungen durchführen. Ich freue mich schon sehr auf meinen Schreibtisch in einem über 500 Jahre alten Turm, umgeben von Folianten und dem – bisher nur fiktiven Geist – der Markgräfin, die das alte Schloss als Witwensitz innehatte. Ich glaube, es wird sehr inspirierend sein.

 

Wie gehst Du mit Kritik um?

 

Als erstes verkrieche ich mich unter der Bettdecke, um zu schmollen, weil die ignoranten Kritiker natürlich keine Ahnung von meiner brillanten Arbeit haben! Mein Werk und Kritik? Unerhört! Das geht ja mal gar nicht!
Dann komme ich wieder raus, seufze, kremple die Ärmel hoch und nehme mir jeden einzelnen Punkt vor. Ich filtere subjektive Meinung von objektiver Kritik und prüfe nach, was ich davon für meine zukünftige Arbeit gebrauchen kann.
Kritik sollte, muss aber nicht zwangsweise nett verpackt sein. Es kommt schlicht und ergreifend darauf an, wer sie äußert und mit welcher Intention. Mein Lektor z.B. darf auch so etwas schreiben wie „Plätscher, plätscher. Da fehlt der drive.“ Oder „Wo ist denn da die Spannung hin?“  oder „Das ist schlecht recherchiert!“ Er arbeitet schließlich für und nicht gegen mich und hat ein Interesse daran, mein Manuskript zu verbessern. Außerdem kenne ich ihn (oder sie) meist persönlich oder zumindest telefonisch. Dasselbe gilt für gute Freunde oder Familienmitglieder, die kritisieren.
Bei allen anderen freue ich mich natürlich über Sachlichkeit. Anfangs fiel es mir schwer, subjektive Meinung und nützliche Kritik auszuhalten, aber inzwischen geht das ganz gut.

Hier noch ein paar persönliche Sachen, denn wir sind sehr neugierig. J

Dir stehen drei Dinge zur Verfügung, die Du auf eine einsame Insel mitnehmen könntest. Was wählst Du?

A: Eine intakte Schreibmaschine und ganz viel Papier, um Dein nächstes Werk zu schreiben. 

B: Ein gutes Buch

C: Einen schnuckligen Mann

 

A, weil das Buch viel zu schnell ausgelesen ist und ein Mann … hm … naja, vielleicht einer mit einem guten Gedächtnis. Dem könnte ich dann alle meine Geschichten erzählen, und er merkt sie sich, damit ich sie aufschreiben kann, wenn wir wieder von der Insel runter sind. Dann hätte ich beides … Also gut. C!

 

Wenn Du die Chance hättest, in die Zeit zurückzureisen, würdest Du es tun, um etwas in deinem Leben zu ändern?

 

Nein, denn dann wäre ich nicht die, die ich bin. Sicher gibt es in der Rückschau Dinge, die man mit dem Wissen, das man heute hat, nicht getan hätte, aber das hätte ja wieder Konsequenzen für die Gegenwart. Ob mir das dann so gefallen würde, wage ich zu bezweifeln, denn alles perfekt bekommt man nie. Also lasse ich es lieber so, wie es ist und schaue stattdessen in die Zukunft. Denn die kann ich ja gestalten, weil sie noch nicht geschehen ist!

 

Was magst Du an anderen Menschen überhaupt nicht?

 

Unsoziale Intoleranz und Egoismus.

 

Was bewunderst Du an anderen Menschen?

 

Gelassenheit. Die fehlt mir manchmal, wenn ich etwas erlebe, das mich so richtig auf die Palme bringt. Da werfe ich dann mit Kokosnüssen, als in Ruhe zu überlegen und erst dann zu handeln.

 

Hast Du ein Lebensmotto?

 

Das Schicksal mischt die Karten und wir spielen (Schopenhauer)

 

Wenn Du einen Wunsch frei hättest, was würdest Du Dir wünschen?

 

Für alle meine Lieben Gesundheit, immer ein halb volles Glas und gutes Geschick mit dem Blatt in der Hand das Beste für sich zu erreichen!

 

Was ist Dein nächstes Projekt?

 

Momentan arbeite ich am zweiten Teil von Kristall, anschließend gönne ich mir eine kreative Pause – wobei meine Muse heftig mit einem Krimiplot winkt, bei dem möglicherweise ein 500 Jahre altes Henkersschwert eine Rolle spielen könnte.

 

Zum Abschluss verrate uns, wo Du noch zu finden bist:

 

www.louise-williams.com

https://www.facebook.com/profile.php?id=100005771109579

https://www.facebook.com/pages/Louise-Williams-Autorin/1409409272656934?ref=hl

https://twitter.com/A_Lou_Williams

 

Ich bedanke mich herzlich für Deine Geduld und Deine Antworten, liebe Louise. Machete, Kettensäge oder Axt konnte ich getrost im Keller lassen - die Nüsse waren nicht allzu hart. :-)

Aber ihr Buch "Kristall - Spiel im Schatten" kann ich euch sehr ans Herz legen. Ich hab´s schon gelesen - echter Thrillergenuss.

Wer wohl das nächste Mal in meiner Küche sitzt? Mal überlegen ... nee, sag ich euch noch nicht. Lasst euch überraschen - auf jeden Fall besitzt mein nächster Gast ein gutes Händchen für die Liebe. :-)

 

Bleibt gesund, ihr Lieben.

 

Eure Lina.


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